Ein Leben mit Trauma Folgeschäden – Drahtseilakt zwischen dem Gefühl des Überlebens und Leben
- Sabrina Berger
- vor 3 Tagen
- 8 Min. Lesezeit
Ein psychisches, seelisches, mentales und/oder emotionales Trauma ist eine tiefgreifende, emotionale Reaktion (schwere seelische Verletzung) auf ein belastendes oder erschütterndes Ereignis. Solche Ereignisse können beispielsweise Unfälle, Gewalt, Missbrauch, Verwahrlosung, Naturkatastrophen, der Verlust eines geliebten Menschen oder andere extreme Stresssituationen sein. Symptomatische Auswirkungen können u.a. Angstzustände, Überregung, Nervosität, Schreckhaftigkeit, Schlaflosigkeit, Reizbarkeit, Ungeduld, schlechte Laune (negatives Mindset), Fahrigkeit, extreme Unsicherheit, mangelndes (Selbst-)Vertrauen, geringer Selbstwert, Vermeidungsverhalten, emotionale Taubheit, Passivität, Rückzug, etc. sein.
Traumatische Erlebnisse können dauerhafte Auswirkungen auf das Leben einer Person haben (Trauma Folgeschäden). Folgeschäden können sowohl psychischer als auch physischer Natur sein, da sich die neurologischen „Trauma-Spuren“ besonders prägend im Gehirn abspeichern und es durch spezielle Reize (Trauma Trigger) zur Reaktivierung der gespeicherten Neuro-Muster kommen kann (Flashback, Neuro-Schübe). Zu den häufigsten psychischen Folgeschäden gehören posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS), Angststörungen (besonders Kontrollverlust, Handlungsunfähigkeit, Gefangenschaft, Bedrängnis, im Stich gelassen oder nicht ernst genommen werden, etc.), Depressionen und Schwierigkeiten im Umgang mit Emotionen oder zwischenmenschlichen Beziehungen. Physische Folgeschäden können sich in Form von chronischen Schmerzen, Schwindel, Beklemmung bis hin zu Atemnot, Schlafstörungen, häufige Infekte und Krankheitsschübe (schwaches Immunsystem aufgrund des inneren Dauerstress) oder anderen gesundheitlichen Problemen äußern.
Du kannst dir hier dein Nervensystem wie ein "gespanntes Gummiband" vorstellen. Sobald ein Trauma Trigger Reiz dieses weiter beansprucht, kann es jederzeit gefühlt „reißen“ und zu einer „inneren Eskalation“ führen (Verlust der Selbstregulation). Betroffene beschreiben diesen Zustand als „ständige Angst“ die Kontrolle über sich und ihren Körper zu verlieren (z.B. Angst vor Ohnmacht, depressiven Episode mit Heulkrämpfen, Antriebslosigkeit, Kraftlosigkeit, etc.). Mit dieser sensiblen Basis muss der/die Betroffene umgehen lernen. Dabei kann eine professionelle Trauma Therapie bei einem Facharzt und/oder Therapeuten helfen, das Erlebte zu verarbeiten.
Eine zusätzliche psychosoziale und neuromentale Begleitung, für den Umgang mit den Trauma Folgeschäden im Alltag, kann dabei helfen, geeignete Strategien, Tools und Ressourcen aufzubauen (u.a. Achtsamkeitsübungen, Atemübungen, Herzratenvariabilitäts-Messung und Herz-Kohärenz, Vagus-Nerv-Stimulation, Meditation, Body-Scan, gezielte Bewegungs- und energetisch-mentale Klopftechniken, Abgrenzungs-Übungen, Loslassen, Selbstschutz- und Selbstfürsorge-Techniken, mentale Mantras und Affirmationen, etc.). Eine zusätzliche systemische Aufstellung kann hilfreich sein, um sich die Basis des gegenwärtigen Umfelds (Wohnort, Arbeitsplatz, Partnerschaft, Familie, Freundeskreis, etc.) und die damit verbundenen Herausforderungen bewusst zu werden.
Hilfreiche Schritte in deinem Prozess könne folgende Erkenntnisse sein:
„In Anbetracht meiner Geschichte, bin ich völlig normal!“
Werde dir bewusst, dass dein Empfinden, deine Belastungsgrenzen, deine Stress- und Reizverarbeitung, deine Bedürfnisse, Gedanken, Gefühle, psychosomatischen Körperreaktionen, bei gesellschaftlichem Druck, beispielsweise wenn von dir erwartet wird, so zu tun, als hättest du nichts (z.B. im Bus, in der Warteschlange, vor deinen Kollegen, auf Reisen, …), um ein „normales Leben“ führen zu können, … völlig normal sind! Du bist hier nicht allein, Betroffene von Trauma Folgeschäden berichten ALLE von sehr ähnlichen Symptomen und Herausforderungen!
„Welche besonderen Symptome, Muster und Dynamiken haben sich aufgrund deines Traumas ausgebildet und durch welche Haupt-Trigger werden diese sehr leicht ausgelöst?“
Lerne nicht nur deine Geschichte, beispielsweise durch eine Trauma Therapie und der damit verbundenen Aufarbeitung des Erlebten kennen, sondern auch, welche besonderen Merkmale, Kennzeichen und Ausprägungen dich seither zu dem Menschen gemacht haben, der du jetzt bist. Versöhne dich mit deinem „Trauma-ICH“, nimm es an, akzeptiere es, lerne es wie einen „Beziehungs-Partner“ näher kennen, bevor du beginnst deine Basis zu verändern (Umprogrammieren, Neubewertung und Neuausrichtung). Jede Medaille hat zwei Seiten! Mit den negativen Mustern gehen immer auch überlebenswichtige Schutzprogramme, Fähigkeiten, Wesenszüge und Erkenntnisse ein, die du vielleicht auch in Zukunft noch gebrauchen kannst!
„Du musstest lernen deine Verletzungen, Gefühle und Gedanken zu verbergen, um zu überleben! Deine Seelen-Narben sind dadurch für dein Umfeld unsichtbar!“
Werde dir bewusst, dass du vermutlich aus der Not heraus deine Meisterschaft im Verbergen deiner Symptome und inneren Empfindungen erlangt hast, um dich nicht ständig erklären zu müssen. Deine Bedürfnisse, wie und warum du auf deine besondere Art und Weise auf dein Umfeld oder in bestimmten Situationen reagierst, kann nur verständlich und nachvollziehbar werden, wenn du dich mitteilst. Deine Schutzmauern haben dir bisher gedient, um zu überleben! Diese „einfach fallen zu lassen“ und über dein Schicksal zu sprechen, ist nicht immer leicht. Wähle dir in deinen Worten ein paar Sätze, die deinem Umfeld zumindest suggerieren können, um was es für dich geht und was du brauchst (z.B. „Durch meine Lebensgeschichte bin ich mit besonderen Heraufgedrungen im Alltag konfrontiert und brauche jetzt …!“). Es geht hier nicht um Rechtfertigung oder um den Versuch dein Verhalten/deine Bedürfnisse zu erklären, deine Geschichte ist eine absolut intime Zone, die ausschließlich wohlwollenden Seelengefährten vorbehalten sein sollte! Vielmehr ist es ein wichtiger Heilprozess das Wesentliche benennen zu lernen, um dich selbst zu beschützen und für dich gut sorgen zu können.
„Wie sich ein schmerzfreies, fließendes Leben anfühlt, kannst du vielleicht nur erahnen! Dennoch versuchst du jeden Tag dein Bestes zu geben!“
Ein Leben mit Trauma Folgeschäden bedeutet, jederzeit wieder mit deinem Schicksal, deinen Erfahrungen und den damit verbundenen neurologischen sowie physischen Mustern und Verletzungen konfrontiert zu werden. Ein „leichtes, unbeschwertes Leben“, ist dadurch vermutlich nie zu 100% möglich, da sich das Erlebte nicht löschen lässt. Selbst noch so tiefe Neuro-Muster und Trauma-Spuren können dennoch durch Lernen sowie stetiges Wiederholen gesunder Verhaltensweisen und einem positiven Mindset verändert werden! Dabei gibst du jeden Tag dein Allerbestes, worauf du stolz sein kannst! Ich bin absolut kein Fan von Vergleichen, aber in dem Fall kannst du dir ausnahmsweise ein Bild darüber machen, wie es anderen Betroffenen im Vergleich, mit einer ähnlichen Geschichte ergehen kann, und wie weit du es bisher geschafft hast weiterzumachen, obwohl du vielleicht das ein oder andere Mal aufgeben wolltest.
„Die grausamen Details deiner Story sind für Außenstehende oft schwer zu ertragen – deshalb schweigst du darüber, um deine Lieben zu schützen!“
Nur Betroffene können wissen, wie grausam die nüchterne Wahrheit des Erlebten sein kann. Die Details berichten über eine Trauma-Welt, die nicht einmal in Horrorfilmen thematisiert werden kann, da sie nicht massetauglich sind. Ich spreche hier von Erlebnissen, die den „normalen Verstand“ weit überschreiten und schwer nachzuvollziehen sind! Aus Scham, Ekel, Wut, Angst, Unsicherheit, etc. fällt es Betroffenen ohnehin schon schwer, darüber zu sprechen. Zudem kann es unglaublich schmerzlich sein, als „Opfer“ angesehen zu werden – der erschütterte Blick des Gegenübers trifft mitten ins Herz! Seine Lieben mit dieser Welt zu belasten und über sein Schicksal offen sprechen zu lernen, braucht Zeit und Geduld – ich empfehle dir vorerst „kleine Häppchen“ preiszugeben, um beobachten zu können, wie dein Gegenüber darauf reagiert. Als Überlebende/r freut man sich mehr, wenn die enorme Stärke, der Mut und das Durchhaltevermögen gesehen und anerkannt werden.
„Durch PTBS, Flashbacks, Neuro-Schübe, Psychosomatik, depressive Episoden und Panikattacken erlebst du dein Trauma aktiv immer wieder im Hier und Jetzt!“
Wie lebendig, echt und gegenwärtig sich eine Trauma Aktivierung anfühlt, kann man erst glauben, wenn man es selbst erlebt hat! Für dein Gehirn geschieht das Erlebte Hier und Jetzt erneut, unabhängig von deinem Bewusstsein, dass es sich um Vergangenes handelt. In diesen Situationen so zu tun, als wäre nichts, ist besonders schwer für Betroffene. Als würde man normal atmen wollen, die Luft bleibt aber weg, und du lächelst mit blau angelaufenem Gesicht, um nicht aufzufallen. Nimm dir bitte „deine Momente“ heraus, akzeptiere, dass diese Momente ihre Zeit brauchen, um wieder abzuklingen und baue dir geeignete Strategien und Ressourcen auf, die dir beim „Hindurchgehen“ helfen können.
„Berührungen, Nähe und Enge rauben dir die Luft zum Atmen, dennoch sehnst du dich nach Beziehungen, Wärme und Liebe! Ambivalenz ist völlig normal!“
„Ich möchte, aber ich kann nicht, ich bemühe mich, aber es ist nie gut genug, manchmal habe ich Sehnsucht nach mehr Zärtlichkeit, dennoch erstarre ich gelegentlich bei Berührungen, ich möchte mutig sein, der innere Druck ist aber enorm groß, … Ambivalenz ist für Betroffene ein Normalzustand, der sich in vielen Situationen widerspiegelt. Bevor du verkrampft stetig mit dir selbst verhandelst, beginne nach deinen Herzens-Wünschen abzuwägen! Was ist dir besonders wichtig? Wonach verlangt dein Herz? Worin lohnt es sich zu investieren? Wozu das Ganze? Was springt für dich dabei heraus? Ergebnissicherung und echter Ehrgeiz helfen dir deine Ziele zu erreichen.
„Was in deiner Innenwelt vorgeht, ist so individuell und speziell, wie dein Schicksal! Dich in dieser Welt zurechtzufinden, kann dir niemand beibringen, außer dir selbst!“
Ich höre immer wieder von Klienten: „Ich habe so komische Schübe, … da geht es mir richtig schlecht, … ich weiß selbst nicht, warum das so ist, … jemanden davon erzählen möchte ich auch nicht, die halten mich ja für verrückt, … manchmal habe ich das Gefühl, mir geht die Kraft aus, … woher soll ich wissen, wie ich diese Symptome wegbekomme, … ?!“ Im Idealfall lernen wir durch Beobachtung, Nachahmen und Konditionierung (und mit viel Liebe und Geduld unserer Familie), wie wir uns gesund-sozial verhalten können und bewegen uns dementsprechend sicher durchs Leben. Traumatisierte müssen oft im Dunkeln tappen, fühlen sich alleingelassen und müssen selbst erproben, erarbeiten und verinnerlichen, was „gut“ und „schlecht“ bedeutet. In dieser „Entwicklungs-Einsamkeit“ können zusätzlich ein mangelnder Selbstwert, ein verzerrtes Selbstbild und ein geringes Selbstbewusstsein entstehen. Auch dieser Entwicklungsprozess ist in Anbetracht deiner Geschichte völlig normal!
5 Self-Care Tipps
1) Nutze täglich deine Erfolgsstrategien!
Sei dir bewusst, du musstest Strategien entwickeln, um zu überleben. Diese Strategien können „veraltet“ und dir jetzt im Weg sein, aber auch sehr hilfreich und ein Leben lang als Stütze im Alltag dienen. Werde dir bewusst, welche Strategien du für deine täglichen Herausforderungen entwickelt hast. Welche Tools nutzt du? Welches Mindset ist hilfreich, um stabil zu bleiben? Gibt es Vermeidungstaktiken? Schutzprogramme? Hilfreiche Freunde oder Bezugspersonen? Was hast du in deinem „Trauma-Kriegsgebiet“ lernen müssen?
2) Setze Bewusstseins-Anker!
Komm mit deiner vollen Aufmerksamkeit ins Hier- und Jetzt zurück (besonders bei Gedankenkreisen und Kopfkino). Wo befindest du dich gerade? Nimm alle Sinneseindrücke wahr, die dir dein gegenwärtiges Umfeld bieten kann. Beginne in einem inneren Monolog deinen gegenwärtigen Raum zu beschreiben, als würdest du einem blinden Menschen ein inneres Bild davon aufbauen wollen. Suche dir nun 3 positive Trigger aus, an denen du dich geistig „festhalten“ möchtest (z.B. die Wärme der Sonne auf deiner Haut, eine hübsche Pflanze, ein besonders angenehmer Geruch, … Dinge, die dich innerlich strahlen lassen).
3) Schätze alles, was du bewahren konntest!
Du bist am Leben! Dafür hast du gekämpft und dir eine unvergleichliche Quintessenz geschaffen, die dich als Überlebende/r auszeichnet. Du bist so einzigartig, wie dein Schicksal und genauso einzigartig sind die Anteile, die du dir bewahren konntest (z.B. dein Seelen-Lichtkern, dein Lachen, deine Liebe, dein göttliches Wesen, deine Einsichten, dein Wissen, deine Gabe die Welt „anders“ wahrzunehmen, die kleinen Dinge schätzen zu können, deine innere Ruhe in Notsituationen, etc.).
4) Es ist, wie es ist, und auch das geht vorbei!
Dieses Mantra kannst du vermutlich am besten bestätigen. Nach jedem Schub folgt Erleichterung, nach jeder Hürde ein Erfolg, nach jedem Scheitern ein Neubeginn. Du hast dich immer wieder erfolgreich aufgerichtet, immer und immer wieder! Es ist, wie es ist, denn an deiner Geschichte kannst du nichts ändern, und auch das geht vorbei, da die einzige Konstante im Leben die Veränderung ist. Ziel ist es deinen inneren Seelenfrieden über mehr Gelassenheit aufzubauen. Zudem neigen Überlebende dazu Konflikte und unangenehme Situationen so rasch wie möglich lösen zu wollen, dabei kann ein entspanntes Abwarten und Beobachten auch vieles von selbst lösen!
5) Lass dir viel mehr Zeit!
Wozu die Eile? Um das Unangenehme schneller loszuwerden? Um schnell eine Lösung und somit wieder Ruhe zu finden? Wie erfolgreich war es bisher, wenn du dich selbst stresst, hetzt oder unter Druck setzt? Fühltest du dich dann besser? Oder brauchtest du anschließend ein paar Tage „zum Runterkommen“? Lass dir Zeit zum Spüren, Nachdenken, Nachsinnen, um einen klaren Impuls zu empfangen. Schnell ist nicht gleich besser! Nimm dir die Zeit, die es braucht, die du brauchst! Zudem erledigen sich manche Dinge von selbst, wenn du dich hingibst und darauf einlässt!
Affirmation: „Ich öffne meine individuelle Schönheit, die sich aus meinem Schicksal heraus und meiner besonderen Lebensgeschichte gebildet hat. Durch das Erlebte sehe ich die Welt mit anderen Augen und kann das Verborgene und Dahinterliegende in allem spielerisch erkennen. Ich erlaube mir das volle Spektrum meiner Gefühle, Gedanken und Empfindungen, um meinen erweiterten medialen Wahrnehmungsradar effektiv nutzen zu können! Meine speziellen Superkräfte, die ich entwickeln musste, um zu überleben, bekommen einen würdevollen Platz in meinem inneren Stolz!“

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